Explosionsartig nach oben! Wie Tags, Timing und ein bisschen Glück deine Videos boosten können

In der vergangenen Woche durfte ich in meinen Youtube Analytics ein interessantes und erfreuliches Phänomen beobachten. Eines meiner neuen Videos katapultierte sich binnen weniger Stunden von 100 auf weit über 1000 Klicks pro Tag. Mit dieser kleinen „Story“ möchte ich aufzeigen, wie man seine eigenen Erfolge praktikabel analysiert und die richtigen Schlüsse daraus zieht, um den Erfolg in Zukunft zu wiederholen.

Klickexplosion mit Folgen

Letzte Woche im Urlaub habe mir interessehalber Abends im Bett die Youtube Studio App heruntergeladen. Ich spielte etwas damit herum und schaute mir die Funktionen an. Fast wollte ich schon mein Smartphone beiseite legen, da stolperte ich über die Echtzeit-Klickzahlen meines Videos „Die 10 bestbezahlten Ausbildungen„. Mich traf fast der Schlag – allerdings im positiven Sinne.

Klickanstieg

Urplötzlich stiegen die Klicks rasant in die Höhe. Während das Video in den ersten zwei Wochen nach Veröffentlichung rund 2.000 Klicks sammelte, waren es jetzt plötzlich zum Teil deutlich über 100 Klicks pro Stunde(!). Grund genug für mich, das Video erst einmal ohne weitere Prüfung für die Monetarisierung freizuschalten, worauf ich später noch weiter eingehe. Aber der Grund für die Klick-Explosion hat mich natürlich trotzdem interessiert, weshalb ich mich an die Ursachenforschung begeben habe.

Analyse auf oberster Ebene: Die Zugriffsquellen

Als erstes wollte ich wissen, woher die Besucher überhaupt kamen. Das lässt sich ja dank Youtube Analytics verhältnismäßig einfach herausfinden.

Zugriffsquellen Youtube Analytics

Unter dem Reiter Zugriffsquellen sieht man direkt einen bunten Chart. Was sofort ins Auge springt ist die Farbe Blau. Also „Funktionen zur Auswahl von Inhalten„. Was darunter fällt, darauf gehen wir sofort ein.

Die zweithäufigste Farbe ist Rot. Wie man in der Abbildung sieht, steht das für „Videovorschläge„…interessant. Also waren diese zwei Dinge hauptverantwortlich. Alle anderen Farben sind kaum sichtbar und vor allem über den Zeitverlauf nahezu unverändert. Sehen wir uns aber zunächst die sehr dominanten „Funktionen zur Auswahl von Inhalten“ an.

Was sind „Funktionen zur Auswahl von Inhalten“?

Unter dieser Kategorie finden sich wiederum mehrere Unterkategorien. An dieser Stelle also eine kurze Erläuterung was unter diese 4 Punkte fällt, wobei ich von hinten anfange:

Wiedergabeverlauf:
Damit können User Videos suchen, die sie kürzlich schon einmal – ganz oder teilweise – angesehen haben.

Später ansehen:
Eine Liste, in der Videos gespeichert werden können, die interessant sind, für die aber gerade keine Zeit ist.

Abos:
Dabei handelt es sich um Klicks von meinen Abonnenten, die mein Video aufgrund des Abos vorgeschlagen bekommen haben.

Startseite:
Klicks von Youtube Nutzern, die das Video aufgrund des eigenen Interessenprofils auf der Startseite angezeigt bekommen.

Klicks Startseite

 

Wie man in der Abbildung sieht, waren mit mehreren tausend Klicks innerhalb weniger Tage, die Besucher von der Startseite die mit großem Abstand größte Zugriffsquelle. So weit, so gut. Klingt interessant. Allerdings trifft das ab einem bestimmten Zeitpunkt auf jedes meiner Videos zu, die verhältnismäßig viele Klicks gesammelt haben.

Also noch einmal einen Schritt zurück. Sehen wir uns den zweitgrößten Block unter den Zugriffsquellen – die Videovorschläge – noch einmal etwas genauer an.

Videovorschläge – Intern und Extern profitieren

Ab hier wurde es jetzt so richtig interessant!

Unter den Videovorschlägen waren es wieder lediglich zwei Positionen, die für fast das komplette Klick-Aufkommen verantwortlich waren.

Kurz zur Erklärung für die, die nicht wissen, was man unter den Videovorschlägen versteht: Es handelt sich dabei einfach um artverwandte Videos, die an einer von zwei Stellen angezeigt werden können. Entweder auf der rechten Bildschirmseite während man ein Video ansieht oder als eine von 12 „Kacheln“ im Videobereich, sobald das gerade laufend Video fertig abgespielt ist.

Nächstes Video

Bildquelle: Youtube, Kanal „fraeuleinchaos“, Screenshot

„Interne Verlinkungen“
Das eine der beiden Videos überraschte mich wenig. „Super Nebenjobs für Schüler“ ist eines meiner erfolgreichsten eigenen Videos und hat zudem einen mehr oder weniger direkten Bezug zu meinem Video über Ausbildungen. Mit guten Tags versehen ist die Wahrscheinlichkeit, dass eigene Videos vorgeschlagen – und damit quasi intern verlinkt – werden sehr hoch.

Auf genau dieses Thema gehe ich übrigens in meinem kostenlosen Videokurs ausführlich ein.

Allerdings war sofort ersichtlich, dass „Super Nebenjobs für Schüler“ zeitlich gesehen schon viel früher in der Statistik aufgetaucht ist und somit nicht für den starken Klick-Anstieg verantwortlich sein kann.

„Externe“ Verlinkungen
Das weitaus interessantere der beiden Videos trägt den Titel „How to Adult: Ausbildung vs. Studium“. Der Bezug zu meinem eigenen Video liegt also ganz klar in der „Ausbildung“. Zumindest was den Titel und die Beschreibung angeht.

Ein Klick auf dieses Video zeigt, dass es sich bei der Youtuberin um „Fraeuleinchaos“ handelt, die stattliche 183.000 Abonnenten eingesammelt hat. Das wiederum hat auch in relativ kurzer Zeit zu nahezu 100.000 Klicks auf ihr Video geführt.

Durch die Artverwandtheit der beiden Videos ist also mein eigenes Video in der Vorschlagsliste neben dem fremden Video aufgetaucht. Dadurch sind jede Menge „fremde“ Zuschauer auf mein Video aufmerksam geworden und haben es angeklickt. Genau gesagt waren es „Stand Screenshot“ 1.039.

Youtube Analytics Videovorschläge

Schaut man genauer hin, fällt auf, dass der Videoupload von „fraueleinchaos“ bereits am 05.10.16 erfolgte, während der starke Anstieg in meinem Video erst ab dem 16./17.10.16 erfolgte. Sicher sagen kann ich es nicht, aber ich gehe davon aus, dass Youtube zum Teil so lange braucht, bis es die Relevanz eines Videos für die Zuschauer eines anderen Videos erkennt und dieses entsprechend in den Videovorschlägen platziert. Dadurch werden die Videos also sozusagen „verknüpft“ (s. Abb.). Und ab da ging es dann – zumindest kurzfristig – sehr steil aufwärts.

Tags in externen Videos
Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die gewählten Tags in Videos eine große Rolle für diese Verknüpfung spielt. Neben meinen eigenen Tags ist also auch interessant, welche Schlagworte „fraeuleinchaos“ verwendet hat.

Da tags nicht mehr ganz so frei zugänglich sind wie früher (damals wurden sie einfach unter dem Video angezeigt) müssen wir eine Ebene tiefer gehen:
Wenn ich das Video „How to Adult“ geöffnet habe, mache ich einen Rechtsklick irgendwo auf der Seite und Klicke auf „Seitenquelltext anzeigen„. Mit dem Shortcut „strg + f“ öffne ich die Suchmaske und tippe „keywords“ ein. Dadurch sehe ich alle tags, die von der Youtuberin für ihr Video verwendet wurden.

Keywords Tags

Dort springt sofort wieder das Wort „Ausbildung“ ins Auge. Die Verbindung zwischen unseren zwei Videos liegt also – zumindest im Bezug auf die beeinflussbaren Faktoren – einzig und allein in diesem Wort. Tatsächlich hat mich das überrascht. Ich dachte es wären mehrere gleiche keywords. Aber ich will mich ja nicht beschweren 🙂

Die Startseite – Der Kreis schließt sich

Falls du es zwischen den vielen Graphen und Zahlen schon wieder vergessen haben solltest nochmal ein kurzer reminder: Der weit größere Teil der Klicks insgesamt stammte nicht aus Videovorschlägen. Es war die Startseite, die binnen weniger Tage etwa 4.000 Klicks gesammelt hatte.

Aber noch einmal zur Ergänzung: Dass Klicks über die Startseite generiert werden ist nichts Ungewöhnliches. In den meisten Fällen macht das den Großteil des Zuschauervolumens aus. Das Interessante ist aber, wie sich das Video seinen Weg dorthin gebahnt hat, weshalb ich auch diese kleine „Story“ verfasst habe.

Es ist meistens ein kleines Steinchen, das die Sache ins Rollen bringt und das dafür sorgt, dass dein Video plötzlich vielen Menschen auf ihrer Startseite als „Trends“ oder „Empfohlen“ angezeigt werden. Das passiert immer dann, wenn Youtube aufgrund des erstellten Interessenprofils des Users davon ausgeht, dass es für diesen interessant sein könnte.

Videovorschläge Startseite

Wie war das jetzt mit dem Umsatz?

Diejenigen unter euch, die mit Youtube Geld verdienen möchten oder es schon tun, interessieren sich vermutlich für den Umsatz, den ich während dieser Zeit generiert habe.

Unter normalen Umständen würde ich das einfach in diesen Artikel schreiben. Allerdings gibt es in den Youtube Richtlinien ein paar Einschränkungen was die Kommunikation der Vergütung angeht. Insbesondere dürfen wohl keine exakten Preise der monetarisierten Views öffentlich gemacht werden. Und da ich zuvor schon sehr viele Klickstatistiken gezeigt habe, möchte ich hier nicht all zu sehr ins Detail gehen.

Eine ungefähre Orientierung kann ich aber geben: Die 5 klickstärksten Tage haben für einen Umsatz zwischen 8 und 12 Euro aus diesem Video gesorgt. Das klingt nicht übertrieben viel. Aber wenn man davon ausgeht, dass das Video noch ganz am Anfang seiner Entwicklung steht und es ja nur eines unter vielen Videos ist, ist das aus meinem Blickwinkel ein sehr guter Wert.

Was kommt nach dem Ansturm?

Schon auf den Screenshots ist unschwer erkennbar, dass der große Ansturm relativ schnell wieder abebbt. Das darf aber nicht überraschen. Gerade, da die Youtuberin, die für mein erstes „Durchstarten“ mitverantwortlich war, primär von den Klicks ihrer Abonnenten lebt. Spätestens bei Erscheinen eines neuen Videos, wird das nächstältere kaum noch geklickt.

Entsprechend bekommen ihre Videos sehr schnell sehr viele Klicks. Allerdings betreibt sie wenig bis keine Keyword Optimierung sondern hat als ihre Strategie gewählt lieber deutlich mehr Content zu schaffen, der immer fast ausschließlich ihre Abonnenten adressiert. In dem Moment, in dem die große Klickwelle durch war, gingen auch bei mir die Klickzahlen wieder zurück.

Das macht aber gar nichts! Und zwar aus zwei Gründen, die beide mit dem sehr leistungsstarken Youtube Algorithmus zu tun haben:
1. Youtube hat bemerkt, dass mein Video gut ist. Das bedeutet, dass ich absolut davon ausgehe, dass die durchschnittlichen täglichen Klickzahlen nach dem „Event“ deutlich höher ausfallen werden als davor.
2. Youtube weiß jetzt worum es in meinem Video geht. Und das ist noch wichtiger, denn das bedeutet, dass in Zukunft immer wieder Verknüpfungen zu anderen, neuen Videos zum Thema Ausbildung hinzukommen werden.

Ich bin mir zu nahezu 100% sicher, dass dieses Video auf den richtigen Weg gebracht wurde und es auf absehbare Zeit nur noch eine Trendrichtung gibt: Nach oben. Gut möglich, dass das Video auf mittlere Sicht die 100.000 Klicks knackt. Insbesondere auch, da es sich um Evergreen Content handelt – also Inhalt, der nicht wirklich oder nur langsam veraltet.

Und die Moral von der Geschicht‘ ?

Welche Schlüsse lassen sich aus dieser Geschichte nun ziehen und welche Handlungsempfehlungen kann man ableiten?

Wenngleich bei diesen Dingen immer eine Portion Ungewissheit bleibt, denke ich doch, dass die Ergebnisse klar genug sind um die Folgenden Dinge daraus abzuleiten:

1. Titel und Beschreibung sind überlebensnotwendig:
Mal ganz zu schweigen von der Tatsache, dass dich User per Youtube-Suche besser finden: Wenn du diese zwei keywordrelevanten Bereiche ordentlich befüllst, wird auch die Einordnung deines Contents für Youtube wesentlich einfacher. Und nur wenn Youtube weiß, worum es in deinem Video geht, kann es deine Inhalte mit ähnlichen anderen Inhalten verknüpfen. Und ohne Verknüpfung landest du auch nicht in den Videovorschlägen anderer Videos und erst recht nicht auf der Startseite.

2. Tags unterstützen die Vernetzung zusätzlich:
Bei den Tags scheiden sich nach wie vor ein wenig die Geister. Ich für meinen Teil bin der Überzeugung, dass Tags für die Youtube Suche selbst mittlerweile keinerlei Rolle (mehr) spielen. Das bedeutet aber nicht, dass sie deshalb irrelevant sind. Im Gegenteil! Die Tags werden direkt genutzt, um die Verbindung zu anderen Videos herzustellen. So ein bisschen wie ein Flüstern im Hintergrund, das sagt: „Psst, hast du schon von diesem Video gehört? Ich hab gehört da soll es auch um Ausbildungen gehen“.

3. Starke Konkurrenz kann einen Gewinn darstellen:
Komplett „frischen Youtubern“ mit sehr wenigen Abonnenten und Klicks würde ich nicht dazu raten zu versuchen, mit keywords zu ranken, für die die Suchergebnisse schon komplett voll mit starker Konkurrenz sind.
Für mittelgroße Kanäle ab einigen hundert Abonnenten kann starke Konkurrenz auf einem Keyword aber eine riesige Chance darstellen. Schaffst du es nämlich mit Qualität und ausgezeichnetem Titel, Beschreibung und Tags deinen Fuß in die Tür zu kriege, kannst du enorm profitieren, wenn dein Video bei einem weitaus häufiger geklickten Konkurrenten empfohlen wird.

Man stelle sich mal vor das Video „How To Adult“ über das ich so viele Klicks bekommen habe, hätte nicht knapp 100.000 sondern 1 Million Klicks gesammelt. Dann wäre der Effekt bei mir ebenfalls um ein vielfaches stärker ausgefallen. Mal ganz zu schweigen von den hinzugewonnen Abonnenten, die ich an dieser Stelle auch noch erwähnen möchte. Mit fast 60 neuen Abos am Spitzentag des „Events“ war es auch so schon ein großer Tag. Wäre der Effekt vervielfacht gewesen, hätte sich vielleicht meine Zahl an Abonnenten innerhalb eines Tages um 10% oder mehr erhöht.

4. Glück lässt sich provozieren!
Neben der In-Video-Optimierung (Qualität/Mehrwert) und der On-Video-Optimierung (Titel, Beschreibung, Tags) lässt sich auch per Off-Video-Optimierung der Stein ins Rollen bringen. Also mit dem Teilen und Verteilen deiner Videos. Je mehr interessierte Zuschauer du früh sammelst, desto schneller wird dein Video richtig eingeordnet und als relevant erachtet. Und je früher, desto besser, denn die Wahrscheinlichkeit, dass dein Video noch durch die Decke geht, wenn es erst einmal lange „unberührt“ bleibt, ist niedrig – wenn auch nicht bei 0. Zudem profitierst du am Anfang von einem kleinen Ranking-Bonus der nach einigen Tagen verschwindet. Diese Zeit gilt es zu nutzen. Das Glück lässt sich also gewissermaßen provozieren.

Ich hoffe diese kleine Geschichte war hilfreich. Ich habe sie direkt unverändert übernommen um meine Gedankengänge und die Art, wie ich Videos analysiere möglichst praktikabel zu vermitteln. Wenn du diese Art von Artikel besonders gut und nützlich findest – oder auch besonders fürchterlich – würde ich mich über ein feedback in den Kommentaren sehr freuen! Vielen Dank 🙂

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